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Presseartikel 2001



Lernen auf der grünen Wiese



Live-Übertragung aus dem Hörsaal: Uni Bremen will Vorlesungen künftig ins Internet stellen

· Schneller als die Konkurrenten sein - nicht nur Unternehmen denken so, auch die Universität Bremen will die Nase vorn haben. Neuestes Projekt: Digitale Vorlesungen. Ab Herbst schon sollen Studierende einige Veranstaltungen im Internet verfolgen können.

"Bildung wird immer mehr zum ökonomischen Potenzial", stellte Uni-Rektor Professor Jürgen Timm gestern erneut vor Journalisten fest. Hinter anderen Hochschulen darf die Bremer Alma Mater deshalb nicht zurückstehen. Auch nicht hinter dem amerikanischen Massachusetts Institute of Technologie (MIT). Das international renommierte Institut will laut Timm schon im kommenden Jahr 500 Lehrveranstaltungen ins Internet stellen. "Allerdings mit konservativer Video-Technik", freut sich Timm ein wenig. Denn was die Bremer Universität auf diesem Gebiet plant, sei um vieles innovativer. Björn Brünjes von der Bremer Briteline Projekte GmbH spricht sogar von einem "Prototyp - einmalig in Deutschland".

Geplant ist eine neue Form der Lehre, so genannte d-Lectures, also digitale Vorlesungen. Wenn ein Student eine reale Veranstaltung im Hörsaal verpasst hat, kann er diese künftig im Internet nachholen. Auch die entsprechenden Folien und Skripte zur Vorlesung stehen im Netz bereit.

Initiatoren des virtuellen Lernangebotes sind das Zentrum für Multimedia in der Lehre der Uni Bremen (ZMML) und die Bremen Briteline Projekte GmbH, ein Netzwerkspezialist. Mit den Live-Übertragungen von Vorlesungen wollen die Beteiligten aber nicht nur Studenten erreichen. Bildungssenator Willi Lemke (SPD) will im Sinne des "lebenslangen Lernens" auch interessierte Bürger für die Welt der Wissenschaft begeistern. Allerdings: "Was die Studenten betrifft, so wird die Team-Arbeit bei dieser Methode nicht gerade gefördert", gibt Lemke zu bedenken. Außerdem: Welcher Student kommt dann überhaupt noch zur Vorlesung? Lässt sich das Seminar per Laptop nicht viel besser auf der grünen Wiese verfolgen? All das bleibt zunächst abzuwarten. Erstmals sollen zum Wintersemester drei Vorlesungsreihen ins Netz gestellt werden. Im Frühjahr kommenden Jahres sollen die Ergebnisse und Erfahrungen schließlich ausgewertet werden. Erst dann sei man schlauer, so Björn Brünjes.

Umdenken müssen aber vor allem die Dozenten und Hochschullehrer: "Die "Kreide-Schwamm Pädagogik ist bald endgültig vorbei", prophezeit bereits Professor Manfred Wischnewsky vom ZMML. Rund 100 lehrende Wissenschaftler sollen in den kommenden drei Jahren in Mediendidaktik und Lernformen des Internets weitergebildet werden.

Derweil spricht Professor Wischnewsky schon von einer "kopernikanischen Wende" an den Universitäten.
Von Nathalie Sander BREMEN

Quelle:http://www.kreiszeitung.de/
vom 08.03.2001