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Live-Übertragung aus dem Hörsaal: Uni Bremen will Vorlesungen
künftig ins Internet stellen
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Schneller als die Konkurrenten sein - nicht nur Unternehmen denken
so, auch die Universität Bremen will die Nase vorn haben. Neuestes
Projekt: Digitale Vorlesungen. Ab Herbst schon sollen Studierende
einige Veranstaltungen im Internet verfolgen können.
"Bildung wird immer mehr zum ökonomischen Potenzial", stellte Uni-Rektor
Professor Jürgen Timm gestern erneut vor Journalisten fest. Hinter
anderen Hochschulen darf die Bremer Alma Mater deshalb nicht zurückstehen.
Auch nicht hinter dem amerikanischen Massachusetts Institute of
Technologie (MIT). Das international renommierte Institut will laut
Timm schon im kommenden Jahr 500 Lehrveranstaltungen ins Internet
stellen. "Allerdings mit konservativer Video-Technik", freut sich
Timm ein wenig. Denn was die Bremer Universität auf diesem Gebiet
plant, sei um vieles innovativer. Björn Brünjes von der Bremer Briteline
Projekte GmbH spricht sogar von einem "Prototyp - einmalig in Deutschland".
Geplant ist eine neue Form der Lehre, so genannte d-Lectures, also
digitale Vorlesungen. Wenn ein Student eine reale Veranstaltung
im Hörsaal verpasst hat, kann er diese künftig im Internet nachholen.
Auch die entsprechenden Folien und Skripte zur Vorlesung stehen
im Netz bereit.
Initiatoren des virtuellen Lernangebotes sind das Zentrum für Multimedia
in der Lehre der Uni Bremen (ZMML) und die Bremen Briteline Projekte
GmbH, ein Netzwerkspezialist. Mit den Live-Übertragungen von Vorlesungen
wollen die Beteiligten aber nicht nur Studenten erreichen. Bildungssenator
Willi Lemke (SPD) will im Sinne des "lebenslangen Lernens" auch
interessierte Bürger für die Welt der Wissenschaft begeistern. Allerdings:
"Was die Studenten betrifft, so wird die Team-Arbeit bei dieser
Methode nicht gerade gefördert", gibt Lemke zu bedenken. Außerdem:
Welcher Student kommt dann überhaupt noch zur Vorlesung? Lässt sich
das Seminar per Laptop nicht viel besser auf der grünen Wiese verfolgen?
All das bleibt zunächst abzuwarten. Erstmals sollen zum Wintersemester
drei Vorlesungsreihen ins Netz gestellt werden. Im Frühjahr kommenden
Jahres sollen die Ergebnisse und Erfahrungen schließlich ausgewertet
werden. Erst dann sei man schlauer, so Björn Brünjes.
Umdenken müssen aber vor allem die Dozenten und Hochschullehrer:
"Die "Kreide-Schwamm Pädagogik ist bald endgültig vorbei", prophezeit
bereits Professor Manfred Wischnewsky vom ZMML. Rund 100 lehrende
Wissenschaftler sollen in den kommenden drei Jahren in Mediendidaktik
und Lernformen des Internets weitergebildet werden.
Derweil spricht Professor Wischnewsky schon von einer "kopernikanischen
Wende" an den Universitäten.
Von Nathalie Sander BREMEN
Quelle:http://www.kreiszeitung.de/
vom 08.03.2001
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