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Presseartikel 2001



Der Uni-Hörsaal auf dem Bildschirm



Lehrveranstaltungen für Studenten im Internet

Sei es das schöne Wetter, das ins Freie lockt, sei es der überfüllte Hörsaal, der keinen Platz mehr bietet: Wer als Student eine Vorlesung verpasst, soll sie in Zukunft nachholen können. An der Universität Bremen will man Lehrveranstaltungen digitalisieren und ins Internet stellen.

Verwirklicht wird diese Form der Lehre von der Landesgesellschaft Bremen Briteline, die auf dem Gebiet der Informationstechnologien arbeitet und unter anderem das Landesbreitbandnetz betreut. Beteiligt sind außerdem Spezialisten der Universität des Landes Bremen, die sich mit Multimedia in der Lehre beschäftigen. Sie stellten gestern das Angebot der digitalisierten Vorlesung namens „d-Lecture“ vor.

In Zukunft sollen bevorzugt Veranstaltungen, die von vielen Studenten besucht werden oder besonders schwierig sind, aufgezeichnet werden, so Prof. Manfred Wischnewsky, Leiter des Multimedia-Zentrums ZMML. Mit diesem Projekt werde zum ersten Mal umgesetzt, dass Studierende Zusatzinformationen über Folien oder Lernprogramme bekommen. Ihnen sei es dadurch möglich, die Veranstaltung beliebig oft anzusehen und den Inhalt nach eigenen Bedürfnissen durchzuarbeiten.

„Studierende können d-Lecture unabhängig von Zeit und Ort nutzen“, stellte Björn Brünjes, Technischer Leiter von Bremen Briteline, heraus. Für die Vorlesungen auf dem Bildschirm genüge eine Ausstattung mit Web-Browser, Multimedia-Player und ISDN-Anschluss. Geplant sei zunächst, im kommenden Wintersemester drei Veranstaltungen ins weltweite Netz zu stellen, so Brünjes.

Rektor Prof. Dr. Dr. Jürgen Timm sagte, die Universität Bremen stehe mit diesem Projekt weltweit in harter Konkurrenz zu anderen Universitäten, vor allem zu jenen in den USA. Digitalisierte Vorlesungen gebe es in Deutschland in dieser Form noch nicht, ergänzte Brünjes.

Als „Quantensprung“ bezeichnete Willi Lemke (SPD), Senator für Bildung und Wissenschaft, das Projekt. Im Land Bremen lasse es sich gut ausprobieren, da die Wege zum Senat kurz seien. Er warnte zugleich davor, die Technik so in den Mittelpunkt zu stellen, dass darüber der Mensch vergessen werde.

Die Hochschule Bremerhaven habe mit neun anderen Fachhochschulen die Bausteine für zwei Studiengänge entwickelt, merkte Rektor Prof. Dr. Hans-Albert Kurzhals an. Wirtschaftsingenieurwesen und Medieninformatik sollten zu 80 Prozent im Internet vermittelt werden, der Rest vor Ort. Um mit dem Lehrbetrieb beginnen zu können, fehle noch die Genehmigung des Senators. Während an der Universität Bremen die täglichen Veranstaltungen ins Netz gestellt würden, sei das digitale Angebot der Hochschule ein Zusatz zum normalen Lehrprogramm. sch

Quelle: Archiv der Nordseezeitung unter http://www.nordsee-zeitung.de
vom 03.08.2001