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Lehrveranstaltungen für Studenten im Internet
Sei es das schöne Wetter, das ins Freie lockt, sei es der überfüllte
Hörsaal, der keinen Platz mehr bietet: Wer als Student eine Vorlesung
verpasst, soll sie in Zukunft nachholen können. An der Universität
Bremen will man Lehrveranstaltungen digitalisieren und ins Internet
stellen.
Verwirklicht wird diese Form der Lehre von der Landesgesellschaft
Bremen Briteline, die auf dem Gebiet der Informationstechnologien
arbeitet und unter anderem das Landesbreitbandnetz betreut. Beteiligt
sind außerdem Spezialisten der Universität des Landes Bremen, die
sich mit Multimedia in der Lehre beschäftigen. Sie stellten gestern
das Angebot der digitalisierten Vorlesung namens „d-Lecture“ vor.
In Zukunft sollen bevorzugt Veranstaltungen, die von vielen Studenten
besucht werden oder besonders schwierig sind, aufgezeichnet werden,
so Prof. Manfred Wischnewsky, Leiter des Multimedia-Zentrums ZMML.
Mit diesem Projekt werde zum ersten Mal umgesetzt, dass Studierende
Zusatzinformationen über Folien oder Lernprogramme bekommen. Ihnen
sei es dadurch möglich, die Veranstaltung beliebig oft anzusehen
und den Inhalt nach eigenen Bedürfnissen durchzuarbeiten.
„Studierende können d-Lecture unabhängig von Zeit und Ort nutzen“,
stellte Björn Brünjes, Technischer Leiter von Bremen Briteline,
heraus. Für die Vorlesungen auf dem Bildschirm genüge eine Ausstattung
mit Web-Browser, Multimedia-Player und ISDN-Anschluss. Geplant sei
zunächst, im kommenden Wintersemester drei Veranstaltungen ins weltweite
Netz zu stellen, so Brünjes.
Rektor Prof. Dr. Dr. Jürgen Timm sagte, die Universität Bremen stehe
mit diesem Projekt weltweit in harter Konkurrenz zu anderen Universitäten,
vor allem zu jenen in den USA. Digitalisierte Vorlesungen gebe es
in Deutschland in dieser Form noch nicht, ergänzte Brünjes.
Als „Quantensprung“ bezeichnete Willi Lemke (SPD), Senator für Bildung
und Wissenschaft, das Projekt. Im Land Bremen lasse es sich gut
ausprobieren, da die Wege zum Senat kurz seien. Er warnte zugleich
davor, die Technik so in den Mittelpunkt zu stellen, dass darüber
der Mensch vergessen werde.
Die Hochschule Bremerhaven habe mit neun anderen Fachhochschulen
die Bausteine für zwei Studiengänge entwickelt, merkte Rektor Prof.
Dr. Hans-Albert Kurzhals an. Wirtschaftsingenieurwesen und Medieninformatik
sollten zu 80 Prozent im Internet vermittelt werden, der Rest vor
Ort. Um mit dem Lehrbetrieb beginnen zu können, fehle noch die Genehmigung
des Senators. Während an der Universität Bremen die täglichen Veranstaltungen
ins Netz gestellt würden, sei das digitale Angebot der Hochschule
ein Zusatz zum normalen Lehrprogramm. sch
Quelle: Archiv
der Nordseezeitung unter http://www.nordsee-zeitung.de
vom 03.08.2001
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